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Atelier LiterNet  Sageata  Proză scurtă  Sageata  Respiraţie sub apă

Articol publicat exclusiv pe LiterNet.ro

Coronavirus Geschichten. No. 1


Simona Cratel

20.03.2020
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Ich lachte über die Verrückten, die ohne Grund so viel gekauft haben. Das sind die Paranoiden, die, die an Verschwörungstheorien glauben. Ich habe es mir schon vorgestellt wie in jeder Ecke des Raumes sich Berge von Essen anstapeln. Reis... Bohnen... Öl...; Wohnungen werden in Lagerhallen umfunktioniert, wobei es jedoch keinen Platz für garnichts übriglässt. Ich lachte darüber am Telefon, am Handy, am Festnetz oder was auch immer gerade benutzt wurde, ich lachte ihn aus, als er sich Sorgen machte. Plötzlich gehörte er zu den anderen. Denjenigen die Grenze der Normalität schon längst überschritten haben, diejenigen, über die du lieber lachen würdest da sie dich in aller Öffentlichkeit ins Erstaunen versetzen.

Wir haben uns vor fünf Jahren kennengelernt. Wir waren drei Jahren zusammen und danach haben wir uns getrennt. Er ist dieser bestimmte Typ, wie kann ich es am besten beschreiben? Er ist eine menschliche Dystopie. Er ist nicht gerade groß. Sein Gesicht ist seitdem Jugendalter durch Akne vernarbt, und sieht zehn Jahre älter aus als ich, obwohl er eigentlich drei Jahre jünger ist. Er hat X-Beine, einen Schädel mit hervorstehenden Schläfen und einen zu großen Mund mit zu vielen Zähnen. Er ist nicht einmal toll im Bett. Er liebt mich nicht einmal und will sein Leben nicht mit mir verbringen. Auf keinen Fall. Deshalb haben wir uns getrennt, weil wir den Grund unserer Treffen nicht verstanden haben. Und was mich am meisten beunruhigte, war seine düstere Art, die mich manchmal denken ließ, dass ich die Menschheit vor ein Paar Vergewaltigungen bewahrt habe, weil nur ich mit ihm umgehen konnte. Es war etwas an ihm, eine gefährliche Wut.
"Willst du mir beweisen, dass du verrückt bist?", fragte ich ihm, als ich ihn über die neue Grippe reden hörte.
"Was ist Wahnsinn?", fragte er.
"Diejenigen, die nicht in der Lage sind, ihr Leben unter Kontrolle zu halten, warf ich ihn vor."
"Also du meinst uns alle. Vielleicht sollten wir in einer psychiatrischen Klinik leben, aber wer würden die Ärzte sein? Wer entscheidet, wer gesund und wer verrückt ist?"
"Nein, ich spreche nicht von funktionsfähigen Verrückten, wie mir. Es geht um dich."

Er war auf einem Flughafen in den USA. Von dort aus rief er mich immer wieder an oder schrieb mir unzähligen SMS. Er schickte mir tonnenweise Fotos, als ob er bereuen würde, dass ich nicht da mit ihm sei sein könnte, um mit ihm über die schönen Dinge zu freuen. Nur dass ich es besser wusste. Ich wusste, dass er auf nichts einen größeren Wert liegt als auf seine eigene Freiheit. Über die Unabhängigkeit, die er genoss. Nichts machte ihn glücklicher als diese Einsamkeit, die Hotelzimmer am Laufband, die Fenster, die einen Ausblick auf etwas neues garantieren. Er ist kein Haustier. Er ist ein Virus.

Er hat mir jeden Tag auf WhatsApp geschrieben, dass es ihm gut geht und das einzige, was er tut, ist zu versuchen, dem Coronavirus fern zu bleiben. Ich lachte ihn aus, ich meine, ich schickte ihm über WhatsApp ein Lachsmiley, ich lachte und nichts anderes, nur um das klarzustellen. Schau, sagte ich ihm. Es wurde mir bestätigt, dass du nicht normal bist. Ich habe die Hoffnung verloren. Ich habe die Buchstaben aufs Display getippt und die Autokorrektur hat dabei den Text ins lächerliche gezogen.

Ich überquerte eine Straße und stoppte in der Mitte um mit ihm zu schreiben. Ein Fenster öffnete sich und blendete mich mit Licht, eine sanfte Schicht von Stimmen kam mir entgegen. Der Frühling, der versucht anzukommen, aber eine kalte Briese ihn direkt zurück blies.

Aber wir haben uns seit zwei Monaten nicht gesehen. Das über was ich vorher erzählt habe geschah Anfang Februar. Das letzte Mal als er mir geschrieben hat war am Valentinstag. Er hat mir alles Gute gewünscht. Ich antwortete sofort, die Autokorrektur ignorierend, dass ich arbeiten muss, und keine Zeit für so einen Schmarrn habe. Ich schlug ihm vor sich eine neue Arbeit zu suchen falls seine jetzige ihn unterfordern sollte. Ich schrieb ihm, dass ich mich so oder so von ihm trennen wollen würde. Ich will damit sagen, dass es ein Fehler war, dass wir uns nach einer dreijährigen Pause wieder vertragen haben. Es war eine wieder entfachte Flamme, die ins nichts führte.

Er schwieg, weil er wusste, dass es keinen Sinn machte, mir zu widersprechen. So oder so würde ich ihn nach einer Weile anrufen und sagen, dass mir langweilig ist und etwas Außergewöhnliches, extravagantes erleben will. Etwas das so absurd ist, dass in der realen Welt nicht möglich ist und unmöglich zu glauben scheint. Das nicht mal ich glaube das so etwas passieren kann. Dies ist in der Vergangenheit schon unzählige Male geschehen. Ich gab ihm den Laufpass, dann schrieb ich ihm ganz normal, als ob sich nichts geändert hätte und er tat so, als hätte ich nie etwas gesagt. Ein paar Monate zuvor, als ich ihm wieder befohlen hatte, meine Realität unvergesslich zu machen, wie ein Kind zu dem allmächtigen Vater, bat ich ihn um psychologische Details, die nur er als externer Beobachter haben konnte.
"Ja", lächelte er mich allwissend an, "das ist nur, weil du einen starken Todeswunsch verspürst."
"Wenn ich Nervenkitzel suche, heißt das, sterben zu wollen?", fragte ich ihn irritiert.

Er lachte und goss mir noch etwas Wein ins Glas.
"Nicht unbedingt", antwortete er, "aber es ist ein Teil eines größeren Schemas, das nur ich verstehe."

Ich verdrehte meine Augen. Er hatte für eine Nacht ein Zimmer in einem sehr modernen, neu gebauten Hotel gemietet, und obwohl wir es nicht brauchten, übernachteten wir, nur um zu sehen, wie es drinnen war. Ich jedoch habe das Hotelzimmer verlassen, da es mir zu langweilig war.

Kurz nach dem Valentinstag wurde er ins Home-Office geschickt. Ich benutzte immer wieder den öffentlichen Verkehr und lachte über alle anderen. Alles Narren mit den Blicken von verfolgten Tieren, die andere Menschen stalkten um ihr Fieber zu messen. Als ob sie die Infizierten herauspicken könnten, wie als wäre der Virus ein kleines schmutziges Tier das seine Anwesenheit durch schrille Klänge ankündigen würde.

Heute sagte mir eine Kollegin, ihre Stimme leicht verändert durch die Maske, dass es einen im Zug gab, der so fieberhaft war! Seine Augen funkelten vor Fieber! Seine Augen brannten vor Fieber! Er sah krank aus, er schwitzte, aber seine Augen...! Rote Augen, injiziert, pulsierend vor Fieber! Die kalte Note des frühen März, graue farbloser Tage, vom Wind weggeblasene Masken in der Nähe der Mülltonne. Geschlossene Läden, an deren Türen schildern mit Hinweis auf dem aktuellen Notstand hängen.
"Vergiss es, meine Süße", sagte ich ihr. "Ich wurde heute im Zug von jemanden angeschrien!"

Sie lachte hinter der blauen Maske, von der sie nur zu gut wusste, dass sie sie vor nichts schützen wurde.
"Ja, die Frau im Zug ging harsch mit mir um", sagte ich meiner Kollegin. "Wenn ich infiziert wäre, würde sie sich einen anderen Platz suchen. Als ob ich meine Viren durch ein Pfeifen zurück beordern könnte. Nachdem sie mich wie eine verrückte angeschrien hat, sagte ich ihr, dass das was sie hört mein Asthma wäre."

Er hatte sich zu Hause verbarrikadiert, mit Vorräten, genug um ein halbes Jahr zu überleben. Er quält sich in seinem eigenen vier Wände. Er war noch nie so lange an einem Ort. Von einem Land zum anderen, von einer Stadt zur anderen, vom Hotelzimmer zu Hotelzimmer. Frei. Mit leichtem Gepäck. Ich habe ihn verlassen, aber er weiß es nicht einmal. Aber plötzlich tauchte ein Abgrund voller Viren zwischen uns auf. Sie nennen es soziale Distanz. Er hat mir nicht vorgeworfen, ihn verrückt genannt zu haben. Er hat nicht kommentiert, er hat nicht gesagt: Was sagst du jetzt? Jetzt wo wir in Quarantäne sind. Wo niemand mehr raus darf. Lachst du noch? Wer von uns ist der Verrückte?

Und ich sitze im Zug und fahre weiter.
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